Als ich mich für mehr als Fußball und Mädchen interessierte, wusste ich: Es gibt die Wismut, die baut Uran ab. Aber unter welchen Bedingungen, dafür habe ich mich nicht interessiert.
Der Begriff Star ist doch total verkommen. Das ist ja heute jeder, der in irgendeiner Weise in der Öffentlichkeit steht. Ich bin ein ganz passabler Schauspieler, habe das eine oder andere ganz gut gemacht und auch Glück gehabt. Erfolg macht natürlich selbstbewusst. Das kann ich auch gut gebrauchen. Misserfolg könnte ich wahrscheinlich nicht lange ertragen, dazu reicht mein Selbstbewusstsein nicht.
Ich habe das Gefühl, dass ganz viele Menschen ins Leben reinstolpern und weiterstolpern. Ich kenne wenig Leute, die genau wissen: Das ist meine Route, mein Fahrplan. Und unter denen, die diesen Fahrplan haben, sind wenige, die auch dafür kämpfen, ihn zu er-
füllen.
Ganz so ziellos ist es ja nicht gewesen. Eine gewisse Einordnung war da. Ich wollte immer irgendwie in diese Gegend, die etwas mit Bühne, Studio oder Film zu tun hat. Vielleicht wäre ich unter anderen Umständen Toningenieur, Kameramann oder Beleuchter geworden. Das weiß ich nicht genau. Dass ich Schauspieler wurde, das ist der Zufall.
Eher halb leer. Ich bin der Halb-leer-Typ. Leider.
Ich möchte lieber der Optimist sein. Ich habe auch optimistische Phasen, aber der Zweifler, der Pessimist überwiegt.
Auf die Frage beispielsweise, ob ich lieber in der Antarktis baden gehen möchte oder in der Karibik, weiß ich schon eine Antwort. Aber schon ein Blumenkauf macht Probleme: Nehme ich jetzt die oder die? Oder kaufe ich eher Pralinen?
Im Gegenteil! Ein guter Verkäufer kann mir leicht etwas einreden, wenn er mir sympathisch ist und mir das Gefühl gibt, mich gut zu beraten.
Ist doch logisch: Ich will genau das Perfekte haben! Die Vorteile des einen mit den Vorteilen des anderen verbinden … Bei bestimmten Dingen ist es schon wichtig, dass sie perfekt sind. Nur dann funktionieren sie. Loriot war als Perfektionist bekannt. Und darum war es herausragend, was er machte. Aber ich habe gelernt, mit Unperfektem auszukommen.
Gelassenheit ist eine andere Haltung von mir. Damit schütze ich mich auch vor mir selbst. Niemand ist perfekt, nichts ist perfekt. Der Defekt gehört zum Leben: Komm, lass uns weitermachen!
Warum auch? Das ändert doch an den Tatsachen nichts oder an meinem Leben. Es gibt keinen Grund, sich scheiden zu lassen. Es gibt übrigens auch keinen Grund zu heiraten. Es sei denn, man ist ganz romantisch-verklärt und feiert gerne.
Ja, sicher. Da war ich aber auch noch viel jünger.
Nicht besonders. Ich war sehr introvertiert, mit mir und meinen Rollen beschäftigt. Und oft im Stress, Erwartungen zu erfüllen. Als Schauspieler wirst du ständig beobachtet, und jeder hat eine Meinung zu dem, was du tust. Selbst viele Regisseure wissen nicht, was es bedeutet, auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen. Eigentlich will man nur geliebt werden.
Ich brauche nur von einer Krankheit zu lesen und spüre schon Symptome. Oder mir tut etwas weh, und ich schaue im Internet nach, was es sein könnte – und entscheide mich immer für die schlimmste Möglichkeit.
Indem ich zum Arzt gehe und der sagt: Sie haben nicht das Schlimmste, sondern nur das Zweitschlimmste.
Ach, na ja … Ich habe damals gerne an den Wettbewerben teilgenommen. Und wenn ich spiele, dann will ich auch gewinnen. Ich bin eine Spielernatur.
Ja. Wenn ich verloren habe, habe ich eben verloren. Spielschulden sind Ehrenschulden.
Ich würde gerne einen fiesen, aber sympathischen Westernhelden spielen – und warte ungeduldig auf die Renaissance dieses Genres in Deutschland …
Zur Person
Henry Hübchen wurde am 20. Februar 1947 in Berlin-Charlottenburg geboren.
Professionell: Schon als Kind spielte er in Fernseh- und Kinofilmen mit und wurde einer der profiliertesten Schauspieler in der DDR. Nach der Wiedervereinigung war Hübchen sofort „gesamtdeutsch“ erfolgreich – auch als Theaterschauspieler, unter anderem an der Berliner Volksbühne.
Bekannteste Filme: „Sonnenallee“, „Alles auf Zucker!“ und die „Commissario Laurenti“-Verfilmungen.
Privat: Hübchen hat zwei Töchter mit seiner Frau, von der er seit mehr als zehn Jahren getrennt lebt.
Thomas Röbke / Senioren Ratgeber;
20.02.2012
Bildnachweis: dpa Picture-Alliance/Jens Kalaene, dpa Picture-Alliance/picture alliance, Interfoto/NG Collection
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